Guatemala
Aus Länder-Lexikon.de
Inhaltsverzeichnis
Geographie
Die Republik Guatemala (República de Guatemala) ist ein Staat in
Zentralamerika zwischen dem Karibischen Meer und dem Pazifik. Guatemala hat vier
Nachbarländer: im Nordwesten und Norden Mexiko, im Nordosten Belize und im Südosten Honduras und El Salvador. Im Nordosten grenzt das Land mit
einer etwa 100 km langen Küste an das Karibische Meer, im Südwesten mit
einer etwa 300 km langen Küste an den Pazifischen Ozean.
Große Teile Guatemalas sind von zwei Teilen des Gebirgssystems
der Kordilleren bedeckt, das sich über die gesamte Länge des
südamerikanischen Kontinents erstreckt. Der eine Teil (Altos
Cuchumatanes) befindet sich im Nordwesten Zentralguatemalas und
erreicht Höhen bis zu 3 800 m. Der zweite Zug der Kordilleren befindet
sich im Süden des Landes und ist ein Ausläufer der mexikanischen Sierra
Madre. Dieser Teil besteht aus Hochflächen und Kettengebirgen (hier
beginnt die Reihe mittelamerikanischer Vulkane, die sich parallel zur
Pazifikküste bis nach Panama erstreckt). Die meisten dieser Vulkane
gelten als erloschen, nachweislich aktiv sind z.B. der Fuego (3 835 m)
und der Santa María (3 772 m).
Unter den Vulkanen befindet sich auch die höchste Erhebung des
Landes, der im Südwesten liegende Tajumulco mit 4 211 m. Er ist
gleichzeitig der höchste Berg Mittelamerikas. Etwa ein Drittel der
Gesamtfläche des Landes nimmt eine Tiefebene (150 bis 500 m) im Norden
ein, die Petén genannt wird und die zur Halbinsel Yucatán gehört. Hier
findet sich das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet von
Zentralamerika.
Der größte See des Landes liegt im Nordosten und heißt Lago de
Izabal. Seine Oberfläche misst 590 km². Weitere große Seen sind im
Südwesten der Lago de Atitlán (127,7 km²) und im Norden der Lago Petén
Itzá (100 km²). Längster Fluss des Landes ist der Río Motagua, der im
östlichen Guatemala vom Zentralen Hochland zum Karibischen Meer fließt
und der Hauptverkehrsweg für den Transport von Bananen und Kaffee aus
dem Osten ist. Weitere Flüsse sind der Río Polochic nördlich des
Motagua und der Río Usamacinta, der aus zwei Flüssen aus der Sierra de
Santa Cruz und der Sierra Madre in Guatemala gespeist wird und die
Grenze zu Mexiko bildet.
Klima
Guatemala hat eine randtropische Lage. Daraus ergibt sich ein Klima,
das während des Winters von bis zu fünf regenarmen bis regenlosen
Monaten geprägt ist. Die Temperaturen in der im zentralen Hochland auf
1500 m Höhe gelegenen Hauptstadt Guatemala-Stadt betragen im Januar
durchschnittlich 16 °C, im Juli 19 °C. In den Tiefländern sind die
Temperaturen dagegen erheblich höher und betragen durchschnittlich bis
zu 26 °C.
Die jährliche Niederschlagsmenge beläuft sich in Guatemala-Stadt
auf 1 300 mm durchschnittlich. Die Niederschläge variieren jedoch
stark. In den den Winden von beiden Meeren (Karibisches Meer: Passat;
Pazifik: Monsun) zugewandten Landesteilen können bis zu 3 500 mm
jährlich fallen, in extremen Beckenlagen zwischen den Gebirgszügen
reduziert sich der jährliche Niederschlag stellenweise auf 1 000 mm. In
Guatemala (wie im gesamten mittelamerikanischen Raum) kommt es immer
wieder zu verheerenden Hurrikans, Vulkanausbrüchen (der letzte Ausbruch
des Pacaya war im März 2000), Erdbeben und Flutkatastrophen.
Flora und
Fauna
Die Region des Petén im Norden des Landes ist zum größten Teil mit
dichtem Regenwald bewachsen. Der Zentralteil besteht dagegen auf Grund
der größeren Trockenheit und Höhe aus Kiefernsavanne. Die den
regentragenden Winden von beiden Meeren zugewandten Gebirgsseiten
weisen tropische Berg- und Nebelwälder auf. Die Binnenhochländer
dagegen sind trockener und haben typische Savannenvegetation mit
Grasfluren und einzelnen Bäumen sowie – an bevorzugten Stellen –
Mischwäldern aus Eichen und Kiefern. Das Tiefland an der Pazifikküste
ist im Osten mit Trockenwald, im Westen mit tropischem Feuchtwald
bewachsen, das Tiefland am Karibischen Meer weist ebenfalls tropischen
Feuchtwald auf.
Insbesondere die Waldgebiete der Tiefländer zeigen ein reiches
Tierleben. Obwohl seltener geworden, finden sich hier Hirsche, Affen
und Tapire ebenso wie Ozelots, Jaguare und Nabelschweine. Unter den
Reptilien des Regenwalds sind insbesondere zahlreiche Schlangenarten
sowie Krokodile und Leguane hervorzuheben. Unzählige Vogelarten
bewohnen die Regenwälder: So ist zum Beispiel der etwa 35 cm große
Quetzal – das Wappentier Guatemalas – mit seinen grün schillernden
Federn, die bis zu einem Meter lang werden können, einer der
zahlreichen farbenprächtigen Vögel des tropischen Regenwalds.
Bevölkerung
In Guatemala leben rund 13,03 Millionen Menschen. Das südliche
Hochland ist das Hauptsiedlungsgebiet, wogegen das Petén im Norden und
das Küstentiefland der Karibik kaum besiedelt sind. Größte Stadt und
gleichzeitig Hauptstadt ist Guatemala-Stadt mit etwa 2,54 Millionen
Einwohnern (Agglomeration). Die zweitgrößte Stadt des Landes, Mixco,
ist bereits bedeutend kleiner (297 000).
Die im Land lebenden ethnischen Gruppen teilen sich wie folgt
auf: 60 % sind Indianer und 30 % Mestizen. Des Weiteren leben in
Guatemala Weiße und Schwarze, wobei Letztere hauptsächlich an der
Karibikküste leben. Amtssprache ist Spanisch, doch spricht etwa die
Hälfte der Bevölkerung eine der 20 Maya-Sprachen; viele sind
zweisprachig. Die größten indianischen Gruppen sind die Mam im Westen
des Landes, die Quiché im Norden und Westen des Lago de Atitlán und die
Cakchiquel in der Region zwischen Lago de Atitlán und Guatemala-Stadt.
Die römisch-katholische Religion ist die dominante
Glaubensrichtung in Guatemala. Bei den Indianern präsentiert sie sich
allerdings stark mit vorkolumbianischen Riten vermischt. Zudem hat seit
Mitte des zurückliegenden Jahrhunderts der protestantische Glaube –
insbesondere unter den Armen – starken Zulauf erhalten. Die wichtigste
Glaubensstätte des katholischen Glaubens in Mittelamerika befindet sich
in der Stadt Esquipulas 80 km östlich von Guatemala-Stadt in Form einer
aus dunklem Holz geschnitzten Christusfigur, die mit weißer Seide
bekleidet und mit Juwelen geschmückt ist. Der “Schwarze Christus” ist
alljährlich das Ziel von Wallfahrern aus ganz Lateinamerika.
Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt in dem
mittelamerikanischen Staat 65 Jahre, die Bevölkerung wächst um rund 2,5
%. Fast ein Drittel der Guatemalteken kann nicht lesen und schreiben.
Politisches
System
Gemäß der Verfassung von 1986 ist Guatemala eine Präsidialrepublik
mit einem Mehrparteiensystem. Staatsoberhaupt ist der Präsident (seit
Januar 2012 Otto Pérez Molina). Er wird auf vier Jahre direkt vom Volk
gewählt und ist gleichzeitig Regierungschef (keine Wiederwahl möglich).
Zu seinen Machtbefugnissen zählt die Ernennung von Ministern und der
Oberbefehl über die Armee.
Die Legislative liegt beim Kongress. Seine 158 Mitglieder werden
ebenfalls auf vier Jahre vom Volk gewählt.
Das Land ist in 22 Departamentos untergliedert.
Wirtschaft
Seit Mitte der 1990er Jahre sind Wirtschaftsreformen im Gange, die
auf eine ökonomische Liberalisierung des Landes hinzielen. Trotzdem
lebt nach offiziellen Schätzungen über die Hälfte der Bevölkerung
unterhalb der Armutsgrenze, vor allem im Norden des Landes. Es gibt
eine hohe Arbeitslosigkeits- und Unterbeschäftigungsrate.
Problematisch ist die Fokussierung der guatemaltekischen
Wirtschaft auf den Agrarsektor. Hier erzielt ein Drittel der
Bevölkerung rund ein Zehntel des Bruttoinlandproduktes (BIP), vor allem
durch den Anbau von Zuckerrohr, Bananen, Kaffee, Tabak und Baumwolle
und durch die Kautschukgewinnung. Es existiert außerdem Rinder-,
Schaf-, Schweine- und Geflügelzucht. Die übliche Organisationsform sind
Plantagen, die Großgrundbesitzern gehören; die meisten Bauern sind nur
Landarbeiter. Im Land wird auch Kardamom angebaut, ein Ingwergewächs,
dessen Samen als Gewürz unter anderem für Fleisch- und Wurstwaren,
Liköre und Backwaren dient. Zudem bestehen Plantagen mit
Sapotillbäumen, die einen Milchsaft liefern, der eingedickt zur
Herstellung von Kaugummi benutzt wird. Für den Eigenbedarf werden in
meist kleinbäuerlich organisierten Betrieben überwiegend Mais, Bohnen
und Reis angebaut.
Etwa ein Drittel des Landes ist von Wald bedeckt, doch eine
wirtschaftliche Nutzung der wertvollen Harthölzer ist nicht gegeben, da
die Regionen verkehrstechnisch ungenügend erschlossen sind. Ebenso
werden nur einige der reichlich vorhandenen Rohstoffvorkommen – v.a.
Erze und Erdöl, aber auch Blei, Zink, Chrom und Kupfer – ausgebeutet.
Die Industrie (20 % des BIP) ist v.a. in der Hauptstadt angesiedelt.
Sie beschränkt sich auf Zuckerverarbeitung, Textilproduktion und die
Weiterverarbeitung von Rohöl und Metall.
Als Devisenquelle ist seit der Beruhigung der politischen Lage
Mitte der 1990er Jahre der Tourismus bedeutsam. Hier liegt der
Schwerpunkt in der Besichtigung der ehemaligen Mayakultstätten.
Zwei Drittel der Energie werden aus Wasserkraftwerken bezogen,
etwa ein Viertel aus der Verbrennung fossiler Energie. Über ein Drittel
der Importe kommen aus den USA, gefolgt von Mexiko und der VR China.
Wichtigste Häfen des Landes sind Puerto Quetzal bei San José und der
Fischereihafen Champerico am Pazifik. An der karibischen Küste ist
Santo Tomás de Castilla bei Puerto Barrios der wichtigste Seehafen.
Guatemala hat drei internationale Verkehrsflughäfen.
Währung ist der Quetzal (= 100 Centavos).
Magazin